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Gedanken zu nachhaltigen Startups von Ralph Suikat

Heute stellen wir Ihnen Herrn Ralph Suikat vor. Herr Suikat hat erfolgreich ein Startup im Bereich der IT und Recht aufgebaut und dieses über 20 Jahre geleitet. Heute beschäftigt er sich rund um das Thema „Nachhaltige Unternehmensführung“ und mit der Verantwortung, die Unternehmer oder Entrepreneurs für Ihr Unternehmen tragen.

Herr Suikat, aus welchem Grund beschäftigen Sie sich mit Thema Nachhaltige Unternehmensführung?

Ich habe für einen Unternehmer einen eher untypischen Lebenslauf. Nach meinem Studium zum Dipl. Verwaltungswirt (FH) war ich zunächst 9 Monate im öffentlichen Dienst tätig. Da war es mir irgendwie zu eng, so dass ich in die Privatwirtschaft gewechselt bin. Zum 1.1.1993 habe ich mich mit meinem Geschäftspartner im Bereich von Softwarelösungen für Rechtsanwälte selbständig gemacht. Aus privaten Gründen, der Krankheit meiner Frau, habe ich mich im Sommer dieses Jahres von meinen Firmenanteilen getrennt.

Ralph Suikat
Ralph Suikat

Mir war es immer ein Anliegen, dass möglichst alle Beteiligten im Umfeld des Unternehmens sich wohl fühlen. Natürlich muss ein Unternehmen Gewinne erwirtschaften, aber das ist nicht alles. Darüber hinaus besteht meines Erachtens auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Das gilt natürlich in erster Linie für die Mitarbeiter, aber auch faire Beziehungen zu unseren Lieferanten waren mir wichtig.

In Zeiten, in denen gerade bei Konzernen Gewinnmaximierung und Steueroptimierung über allem stehen, bleiben immer mehr Mitarbeiter, die Gesellschaft und nicht zuletzt die Umwelt auf der Strecke.

Ich finde, hier können wir nicht einfach zusehen. Das war für mich auch eine Motivation, die als gemeinnützige AG organisierte Unternehmerinitiative Fairantwortung www.fairantwortung.org ins Leben zu rufen. Hier geht es darum, gemeinsam mit anderen Unternehmern an einem faireren Wirtschaftssystem zu arbeiten.

Die Startup Branche ist ja meist ja mit schillernden Persönlichkeiten gut in der öffentlichen Wahrnehmung vertreten, aber nicht mit dem Thema nachhaltige Unternehmensführung verbunden. Warum ist hier das Thema nicht von Interesse.

Das ist eine gute Frage. Auf der einen Seite ist das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde, es gibt ja fast kein Produkt mehr, das nicht in irgendeiner Weise als nachhaltig beschrieben wird; kein Unternehmen, welches sich nicht nachhaltig positioniert. Auf der anderen Seite genießen die Unternehmer, die gründen, um die Welt zu ändern, derzeit noch zu wenig Aufmerksamkeit.

Derzeit fallen bei den Beobachtern der Startup-Szene vor allem diejenigen auf, die laut sind und deren Geschäftsmodell am besten skaliert. Am interessantesten sind in der Regel die Startups, die mit denen sich am meisten Geld verdienen lässt. Der Impact der Startups auf die Gesellschaft genießt eine absolut untergeordnete Bedeutung.

Sich um Nachhaltigkeit und eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu kümmern, gilt im Moment nur in kleineren Kreisen als sexy. Meist sind diejenigen, die das tun, auch nicht so erpicht, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Ein weiterer Grund, warum die öffentliche Wahrnehmung gering ist.

Herr Suikat sehen Sie eine Entwicklung im Bereich Startup, bei der das Thema nachhaltige Unternehmensführung anderes angegangen wird? In einem älteren Beitrag hatten wir ja schon das Thema Demokratische Führung von Startups.

Erfreulicherweise gibt es ja zahlreiche Plattformen wie zum Beispiel Ashoka oder andere  zur Förderung von Social Entrepreneurs. Auch die Agentur für soziale Innovationen, die in den Social Impact Labs auch Social Startups aktiv unterstützt  oder auch die Venture-Capital Firma BonVenture, die ähnlich wie auch Ananda Venture Kapital für Social Enterprises zur Verfügung stellt. Dennoch ist es so, dass die Schlagzeilen von den auf maximalen Profit fokussierten Startups beherrscht werden.

Außer Muhammad Yunus, dem Vater des Mikrofinanzkonzepts, und Bas van Abel, dem Gründer von Fairphone, kennt vermutlich kaum jemand einen Sozialunternehmer.

Ein schönes Beispiel, was passieren kann, wenn man die Sache in den Vordergrund stellt, ist das niederländische Unternehmen Buurtzorg. Unter dem Leitspruch „humanity above bureaucracy“ hat der sympathische Jos de Blok zunächst einfach nur einen Pflegedienst gründen wollen, in dem er als Krankenpfleger seiner Berufung nachkommen und für die zu Pflegenden da sein konnte. Genervt von der Bürokratie in dem Pflegedienst, in welchem er selbst angestellt war, trat er 2007 mit drei Mitstreitern an, in dem von ihm gegründeten Pflegedienst die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Erfolgsstory ist einzigartig. Heute sind bei Buuertzorg knapp 10.000 (!) Menschen beschäftig, die sich in kleinen Teams von 10-12 Mitarbeitern weitestgehend selbst organisieren. Ein Team von rund 50 Mitarbeitern übernimmt alle administrativen Aufgaben, so dass die Pflegeteams sich ganz auf die Pflege konzentrieren können. Eine mittlere Managementebene gibt es nicht.

Jos de Blok macht mit diesem Konzept eine erstaunlich große Anzahl von Menschen glücklich. Da sind zum einen die jährlich rund 70.000 Pflegebedürftigen, die davon profitieren, dass oberstes Ziel von Buuertzorg die Sicherstellung eines möglichst selbstbestimmten und selbstständiges Leben des Betreuten ist. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz, wenn zum Beispiel ein Rollator-Wettrennen ausgeschrieben wird. Aber auch die rund 10.000 Mitarbeiter scheinen sehr glücklich zu sein. 2015 wurde Buurtzorg zum fünften Mal als Arbeitgeber des Jahres in den Niederlanden ausgezeichnet. Das darüber hinaus auch die Krankenkassen sehr zufrieden mit der Arbeit von Buurtzorg sind, sei nur am Rande vermerkt. Durch die höhere Selbständigkeit der Patienten fallen insgesamt weniger Pflegekosten an.

Jetzt kommt ein weiterer interessanter Punkt. Natürlich gibt es auch für Buurtzorg die unliebsamen Dokumentationspflichten und administrative Tätigkeiten. Da diese von den Pflegemitarbeitern nicht wirklich geschätzt werden, hat man sich sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie IT das Leben aller Beteiligten leichter machen kann. Alle haben sich eingebracht und überlegt, wie das optimale System aussehen müsste.

Das eigens entwickelt buurtzorgweb ist CRM/ERP-System und Austauschplattform in einem. Jede Pflegekraft hat ein Tablet für die erforderlichen Dokumentationen. Dadurch sind alle Teammitglieder immer sofort und umfassend über den aktuellen Status und Besonderheiten bei einzelnen Patienten informiert. Ebenso findet ein intensiver Wissensaustausch über die Plattform statt. Sobald ein Team eine Idee zur Verbesserung der Betreuung (z.B. Sturzprävention) erarbeitet hat, steht diese allen anderen Teams zur Verfügung.

Einstein hat einmal gesagt, dass wir die Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen können, durch die sie entstanden sind.

Von daher finde ich grundsätzlich alle Ansätze spannend, die sich der Gründung oder Führung von Unternehmen unter anderen Aspekten nähern. Die von Ihnen angesprochenen Überlegungen von Dr. Andreas Zeuch, mit welchem ich mich in einem engen Austausch befinde, zur Demokratisierung von Unternehmen ist ein solcher Ansatz. Konsequent zu Ende gedacht, bräuchte ein umfänglich demokratisches Startup auch eine andere Art von Investoren. Nämlich solche, die die Idee des Unternehmens, aber auch die demokratisch erfolgten Entscheidungen mittragen.

Wenn man dieser Erfolgsstory hört – wie können deutsche Startups davon profitieren?

Ich denke, dass ganz Entscheidende ist: Mach als Gründer Dein Ding! Überlege Dir, warum Du Dein Unternehmen gründest. Was Du damit an positivem Impact auf die Gesellschaft erreichen willst. Welches Problem Du bei Deinen Kunden lösen willst. Natürlich bedarf es eines soliden Businessplans, mach den aber in allererster Linie für Dich und erst in zweiter Linie für etwaige Investoren. Außerdem ist echt wichtig, dass genug Zeit für die eigentliche Leistungserbringung bleibt. Buuertzorg ist auch deshalb so erfolgreich geworden, weil die IT die Routineaufgaben bestmöglich unterstützt.

Die Digitalisierung gibt also den Startups mehr Chancen?

Ja, absolut. Viele Geschäftsmodelle von Startups gäbe es ohne die Digitalisierung nicht. Aber auch bei Startups die -wie buurtzorg- zunächst vordergründig nichts mit IT zu tun haben, ist die IT ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sie erlaubt es den Gründern, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und dem größer werdenden Team „in the loop“ zu bleiben.

Die Digitalisierung bietet große Vorteile, wenn es um die Erledigung von Routineaufgaben geht. Es gibt immer mehr und bessere Lösungen, aber auch gute Services, die Gründern bei Standardthemen wie Buchhaltung, Personalabrechnungen etc. entlasten können. So kann man sich viel besser auf das eigentliche Business und vor allem die Kunden konzentrieren.

Herr Suikat, wie wollen Sie das Thema nachhaltige Unternehmensführung und Digitalisierung zusammen bringen?

Ich freue mich sehr, dass ich von Markus Besch, dem Initiator des SocialMedia Institutes anlässlich der fokussierten Ausrichtung und Umfirmierung seines Unternehmens in die nextDBI AG nach einer Unterstützung in Form einer Tätigkeit im Aufsichtsrat angefragt worden bin. Dass die nextDBI AG mittelständischen Unternehmern auf Grund der jahrzehntelangen Erfahrungen im Bereich der digitalen Welt umfassende Unterstützung bei der Transformation zur Verfügung stellen kann, steht außer Frage.

Markus hatte mich dann aber zusätzlich auch mit seinem Engagement für den Impact Hub in Stuttgart geködert. Über den Impact Hub werden insbesondere Social Startups gefördert. Darüber hinaus ist Markus mit seinen eigenen Erfahrungen, aber natürlich auch mit seinem Team und dem sehr großen Netzwerk bestens dafür aufgestellt, sozial motivierte Startups zu begleiten.

Meinen Part als aktiven Aufsichtsrat sehe ich darin, das Thema Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung noch stärker in die Leistungspalette zu integrieren. Ebenso wie etablierte Unternehmen profitieren auch Startups in den allermeisten Fällen durch ein höheres Maß an Resilienz.

Erfreulicherweise kann die nextDBI auch und gerade Startups ein umfassendes Leistungsspektrum anbieten. Von der Unterstützung bei der Erstellung des Businessplans über Business-Development hin zu Kontakten zu Investoren deckt Markus mit seinem Team alles ab. Aber auch ganz profane und operative Fragen sind bei nextDBI gut aufgehoben. Zum Beispiel welches Tool sich in welcher Phase am besten eignet, um das Team und die Stakeholder auf dem Laufenden zu halten. Oder mit welcher SocialMedia-Strategie die größte Aufmerksamkeit zu erwarten ist. In Fällen mit einem besonderen sozialen Impact ist auch ein schnelles und unkompliziertes Direktinvest aus dem Gesellschafterkreis der nextDBI denkbar.

Das hört sich ja als Chance an für jedes Startup an. Was möchten sie Gründer zum Abschluss noch mit auf den Weg geben?

Liebe Gründer, toll, dass ihr Verantwortung übernehmt. Denkt bei Euren Geschäftsmodellen auch an deren Impact auf die Gesellschaft. Geld verdienen ist wichtig, keine Frage. Manchmal merkt man erst später, dass Reichtum und Macht am Ende recht wackelige Säulen von Glück und Zufriedenheit sind. Lasst Euch nicht blenden, zieht aus und macht die Welt gemeinsam mit anderen Social Entrepreneurs zu einem besseren Ort. Es ist dringend erforderlich!

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Dieser Blog beschäftigt sich mit den zahlreichen interesanten und kreativen Internet-Neugründungen und stellt diese Start-ups mit einem eigenen Artikel vor.

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